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Enneagramm

Was bedeutet Enneagramm?

Von der Personaramic-Redaktion5 Min. Lesezeit
Minimalistische Illustration eines neunzackigen Sterns, eingeschrieben in einen Kreis

Enneagramm ist ein Wort griechischen Ursprungs, das zunächst einmal eine Zeichnung bezeichnet: einen Kreis mit neun Punkten und Linien, die sie verbinden. Auf dieser Zeichnung baute man später ein Modell mit neun Persönlichkeitstypen auf, das wir in Was ist das Enneagramm? erklären.

Dieser Artikel bleibt beim Wort und beim Symbol: woher sie kommen, wofür jeder Strich steht und wie eine Figur aus einem esoterischen System in Persönlichkeitsfragebögen gelangte.

Das Wort: „Figur der Neun“

Der Begriff verbindet zwei griechische Wurzeln: ennea, „neun“, und gramma, was Buchstabe, Strich oder gezeichnete Figur bedeutet. Dieselbe Wurzel steckt in Diagramm, Programm oder Telegramm.

Wörtlich heißt Enneagramm also „Figur der Neun“ oder „Zeichnung der Neun“. Im Deutschen wie im Englischen (enneagram) bleibt das doppelte n des Griechischen erhalten.

Das Symbol, Stück für Stück

Die Zeichnung besteht aus drei Elementen, und jedes folgt seiner eigenen Logik:

  • Der Kreis. Neun Punkte in gleichen Abständen, im Uhrzeigersinn nummeriert, die 9 oben. Er steht für die Einheit des Ganzen.
  • Das Dreieck. Es verbindet die Punkte 9, 3 und 6. Eine geschlossene Figur, unabhängig vom Rest.
  • Die sechszackige Figur (die „Hexade“). Sie verbindet die übrigen Punkte in fester Reihenfolge: 1, 4, 2, 8, 5, 7 und zurück zur 1.

Diese Reihenfolge ist nicht willkürlich. Teilt man 1 durch 7, erhält man 0,142857142857…, eine Dezimalzahl, die immer dieselbe Folge von sechs Ziffern wiederholt: genau den Weg der Hexade. Die Zahlen 3, 6 und 9, Vielfache von drei, kommen in dieser Folge nicht vor und bilden das Dreieck.

Woher es kommt: Gurdjieff und die zwei „Gesetze“

Oft werden dem Symbol Wurzeln im Sufismus oder in der Antike zugeschrieben, doch es gibt kein Dokument aus der Zeit vor dem 20. Jahrhundert, das es zeigt.

Die erste schriftliche Quelle ist das Buch In Search of the Miraculous (1949) von P. D. Ouspensky, auf Deutsch erschienen als Auf der Suche nach dem Wunderbaren. Ouspensky rekonstruiert darin die Lehren, die G. I. Gurdjieff während des Ersten Weltkriegs seinen Gruppen in Russland vermittelte, und stellt das Enneagramm als universelles Symbol vor, das zwei Ideen aus Gurdjieffs System vereint:

  • Das Gesetz der Drei: Jeder Prozess entstünde aus dem Zusammentreffen dreier Kräfte (aktiv, passiv und vermittelnd). Dafür steht das Dreieck.
  • Das Gesetz der Sieben oder der Oktave: Jeder Prozess verliefe in sieben Stufen, wie die Töne einer Tonleiter, mit zwei Stellen, an denen er einen Anstoß von außen braucht, um nicht abzuweichen. Dafür stehen die Hexade und der Weg um den Kreis.

In Gurdjieffs Fassung beschrieb das Enneagramm also keine Menschen, sondern Prozesse jeder Art.

Vom Symbol zur Persönlichkeit

Der Schritt zur Psychologie kam später. Der Bolivianer Óscar Ichazo nutzte die Figur in den Sechzigerjahren, um neun „Fixierungen“ des Egos zu ordnen, und leitete 1970 in Arica (Chile) ein langes Ausbildungsprogramm, an dem der chilenische Psychiater Claudio Naranjo teilnahm.

Naranjo brachte das Modell in die USA, lehrte es in Berkeley und am Esalen Institute und verknüpfte es mit Kategorien der klinischen Psychologie. Von dort aus entwickelten es Autoren wie Don Riso und Russ Hudson weiter, deren Buch The Wisdom of the Enneagram (1999) einen großen Teil des heute üblichen Vokabulars geprägt hat.

Im Persönlichkeits-Enneagramm ist jede Zahl auf dem Kreis ein Typ, und die Linien bekommen eine neue Bedeutung:

  • Die Nachbarpunkte auf dem Kreis sind die Flügel eines Typs (die 4 hätte die Flügel 3 und 5).
  • Die zwei inneren Linien, die von jedem Punkt ausgehen, werden als Richtungen der Veränderung gelesen: Laut Riso und Hudson bewegte sich die 1 unter Stress zur 4 und in Wachstumsphasen zur 7.

Wie diese Elemente bei jedem Typ zusammenspielen, beschreiben wir in Was ist ein Enneatyp und wie viele gibt es?, und die vollständige Liste findest du unter die 9 Persönlichkeiten des Enneagramms.

Essenz und Ego: die spirituelle Schicht des Symbols

Spirituell ausgerichtete Fassungen des Enneagramms, etwa die von Riso und Hudson, unterscheiden zwei Schichten im Menschen:

  • Essenz: das, was jemand vor seinen Abwehrgewohnheiten ist.
  • Ego oder Persönlichkeit: die Strategien, die man lernt, um sich zu schützen, und die man mit der Zeit für sich selbst hält, wie eine Rüstung, die einst nützlich war und im Erwachsenenalter mehr wiegt, als sie schützt.

In dieser Lesart wäre jeder der neun Punkte auf dem Kreis eine andere Art, diese Rüstung zu bauen. Das ist ein Vorschlag des Modells, ein Erbe der Tradition Gurdjieffs, kein Befund der wissenschaftlichen Psychologie.

Was das Symbol nicht garantiert

Dass die Figur eine elegante Geometrie hat, sagt nichts darüber, ob sich Menschen tatsächlich in neun Typen einteilen lassen.

Die systematische Übersichtsarbeit von Joshua Hook und Kollegen (2021) wertete 104 Stichproben aus und fand gemischte Belege: Manche Skalen hängen wie erwartet mit den Big Five zusammen, doch statistische Analysen finden meist weniger als neun Faktoren, und zu Flügeln und Linien gibt es kaum Studien, also genau zu den Elementen, die das Symbol am deutlichsten zeichnet.

Nach unserer Einschätzung taugt das Enneagramm besser als Vokabular, um über die eigenen Motive nachzudenken, denn als belegte Klassifikation. Wenn du es selbst ausprobieren möchtest, kannst du unseren Enneagramm-Test machen.

Quellen

  • Hook, J. N., Hall, T. W., Davis, D. E., Van Tongeren, D. R. und Conner, M. (2021). The Enneagram: A systematic review of the literature and directions for future research. Journal of Clinical Psychology, 77(4), 865-883. https://doi.org/10.1002/jclp.23097
  • Ouspensky, P. D. (1949). In Search of the Miraculous: Fragments of an Unknown Teaching. Harcourt, Brace.
  • Riso, D. R. und Hudson, R. (1999). The Wisdom of the Enneagram. Bantam Books.

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Häufig gestellte Fragen

Aus welcher Sprache stammt das Wort 'Enneagramm'?

Aus dem Griechischen: 'ennea' (neun) und 'gramma' (Buchstabe, Strich, gezeichnete Figur), dieselbe Wurzel wie in 'Diagramm' oder 'Telegramm'. Wörtlich bedeutet es 'Figur der Neun', bezogen auf die neun auf einem Kreis verteilten Punkte, die das Symbol bilden.

Was unterscheidet Essenz und Ego in diesem Modell?

In spirituell ausgerichteten Fassungen des Enneagramms, etwa bei Riso und Hudson, wäre die Essenz das, was ein Mensch vor seinen Abwehrgewohnheiten ist, und das Ego oder die Persönlichkeit die Summe erlernter Strategien, die man mit der Zeit für sich selbst hält. Das ist ein Vorschlag des Modells, kein Befund der wissenschaftlichen Psychologie.

Ist das Enneagramm-Symbol eine neuere Erfindung?

Man schreibt ihm oft uralte Wurzeln zu, doch es gibt keine Dokumente, die das belegen. Das Symbol taucht erstmals Anfang des 20. Jahrhunderts in den Lehren von G. I. Gurdjieff auf, die P. D. Ouspensky 1949 veröffentlichte; seine Verwendung zur Beschreibung von Persönlichkeitstypen kam später, mit Óscar Ichazo und Claudio Naranjo, ab den Sechziger- und Siebzigerjahren.

Was bedeuten die inneren Linien des Enneagramms?

Im Persönlichkeits-Enneagramm ist jeder Typ durch Linien mit zwei anderen verbunden. Autoren wie Riso und Hudson lesen sie als Richtungen der Veränderung: wohin sich jemand unter Stress bewegen würde und wohin in Phasen des Wachstums. Die Übersichtsarbeit von Hook und Kollegen (2021) weist darauf hin, dass dieser Teil der Theorie kaum erforscht ist.

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