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Moderates Profil: das Gleichgewicht zwischen Sicherheit und Chance suchen

Von der Personaramic-Redaktion4 Min. Lesezeit
Minimalistische Illustration mit dem Profil Moderat in einem geometrischen Abzeichen

Das moderate Profil ist keine Gleichgültigkeit: Es ist ein aktiver Umgang mit Risiko, der je nach Kontext verteilt und anpasst, statt immer dasselbe Maß an Vorsicht oder Kühnheit anzuwenden.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel beschreibt ein Persönlichkeitsmerkmal im Umgang mit Risiko und Unsicherheit, keinen Finanzratschlag. Er ersetzt nicht das Urteil einer qualifizierten Fachperson bei realen Geld- oder Geschäftsentscheidungen.

Was der Test bei diesem Profil misst

Im Test zum Anlegerprofil ergibt sich das moderate Profil aus vier Aussagen, die jeweils mit 1 bis 5 bewertet werden: sich wohlfühlen, etwas Risiko einzugehen, wenn der Rest der Situation abgesichert ist, Entscheidungen lieber auf mehrere Optionen verteilen, einen punktuellen Verlust hinnehmen, wenn der Gesamtplan langfristig Sinn ergibt, und ein Gleichgewicht zwischen Sicherheit und Chance suchen. Es setzt sich durch, wenn diese Summe die des konservativen, des risikofreudigen und des analytischen Profils übersteigt.

Achte darauf, was diese vier Sätze gemeinsam haben: Keiner spricht davon, Risiko zu meiden oder zu suchen, sondern davon, es zu steuern.

Woher dieses Gleichgewicht kommt

Jahrelang wurde angenommen, dass Risikotoleranz ein einziges, stabiles Merkmal sei, das in jedem Lebensbereich gleich ist.

Die Forschung zu bereichsspezifischen Risikoeinstellungen mit der DOSPERT-Skala von Elke Weber und ihren Kolleginnen und Kollegen (2002) hat diese Vorstellung deutlich differenziert: Die meisten Menschen haben kein festes Risikoniveau, sondern passen es je nach Terrain an. Der Artikel über das Profil anpassungsfähig an den Kontext erklärt diese Daten im Detail.

Das heißt nicht, dass es keine allgemeine Neigung gibt. Thomas Dohmen und seine Kollegen (2011) fragten eine repräsentative Stichprobe der deutschen Bevölkerung nach ihrer Bereitschaft, “im Allgemeinen” Risiken einzugehen, auf einer Skala von 0 bis 10, und prüften mit bezahlten Lotterien, dass die Antwort reales Verhalten vorhersagte. Die allgemeine Frage war der beste Gesamtprädiktor für Verhaltensweisen wie Aktienbesitz, Berufswahl oder Rauchen, auch wenn die erklärte Bereitschaft nicht identisch war, wenn nach bestimmten Bereichen gefragt wurde.

Das moderate Profil passt zu diesem doppelten Bild: eine mittlere Grundneigung, die sich in jeder Entscheidung anders ausprägt.

Verteilen: die Intuition, die die Theorie formalisierte

Das erste typische Verhalten dieses Profils, nicht alles auf eine Karte zu setzen, hat eine bekannte theoretische Grundlage. 1952 zeigte der Ökonom Harry Markowitz, dass bei einem Portfolio nicht das Risiko jeder einzelnen Anlage entscheidend ist, sondern wie sie zusammenwirken: Elemente, die nicht gleichzeitig steigen und fallen, senken das Risiko des Ganzen. Das ist die formale Idee der Diversifikation, für die er 1990 den Wirtschaftsnobelpreis erhielt.

Das moderate Profil wendet diese Logik intuitiv an, und nicht nur beim Geld. Ein Beispiel aus dem Alltag: Wer abends ein eigenes Projekt ausprobiert, ohne den Job aufzugeben, verteilt Risiko. Er verzichtet weder auf die Chance, noch macht er daraus eine Wette auf alles.

Wie es sich im Alltag zeigt

  • Verteilt seine Entscheidungen auf mehrere Optionen, statt alles auf eine zu setzen.
  • Erträgt einen punktuellen Verlust, wenn der grundlegende Plan langfristig weiterhin Sinn ergibt.
  • Fühlt sich wohl dabei, etwas Risiko einzugehen, wenn der Rest seiner Situation einigermaßen abgesichert ist.
  • Sucht einen Mittelweg zwischen Sicherheit und Chance, ohne systematisch in ein Extrem zu verfallen.

Die Wachstumsaufgabe

Das Gleichgewicht hat eine unbequeme Seite: Es kann zu einer bequemen Art werden, sich nie ganz festzulegen, und sich hinter dem Wort „Mäßigung“ zu verstecken, um Entscheidungen aufzuschieben, die eigentlich eine klare Position verlangen.

Manche Entscheidungen lassen sich nicht aufteilen. Zwischen zwei Jobangeboten wählen, in eine andere Stadt ziehen oder nicht, ein Geschäft schließen: Das sind Alles-oder-nichts-Entscheidungen, bei denen die Strategie des Verteilens nicht zur Verfügung steht. In solchen Fällen liegt die Stärke des moderaten Profils nicht darin, einen Mittelweg zu suchen, den es nicht gibt, sondern darin, mitzubringen, was es ohnehin gut kann: das schlechteste Szenario abzuwägen und zu prüfen, ob der Rest seiner Situation es tragen würde.

Zwischen zwei Extremen

Das moderate Profil besetzt das mittlere Terrain zwischen dem konservativen Profil, das fast immer Sicherheit priorisiert, und dem risikofreudigen Profil, das fast immer die Gelegenheit priorisiert.

Keines der drei ist „das richtige“: Jedes passt besser zu bestimmten Kontexten als zu anderen.

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Quellen

  • Dohmen, T., Falk, A., Huffman, D., Sunde, U., Schupp, J. und Wagner, G. G. (2011). Individual risk attitudes: Measurement, determinants, and behavioral consequences. Journal of the European Economic Association, 9(3), 522-550. https://doi.org/10.1111/j.1542-4774.2011.01015.x
  • Markowitz, H. (1952). Portfolio selection. The Journal of Finance, 7(1), 77-91. https://doi.org/10.2307/2975974
  • Weber, E. U., Blais, A.-R. und Betz, N. E. (2002). A domain-specific risk-attitude scale: Measuring risk perceptions and risk behaviors. Journal of Behavioral Decision Making, 15(4), 263-290. https://doi.org/10.1002/bdm.414

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Häufig gestellte Fragen

Ist das moderate Profil einfach nur ein Mittelweg?

Nicht ganz: Es ist keine Gleichgültigkeit zwischen Extremen, sondern ein aktiver Umgang mit Risiko, der sich je nach Kontext anpasst, kein festes Niveau, das immer gleich angewendet wird.

Ist es das häufigste Profil?

Das ist plausibel, auch wenn es für diesen Test keine Zahl gibt, die es bestätigt. Was die Forschung zu Risikoeinstellungen tatsächlich zeigt: Wenige Menschen liegen in allen Bereichen an einem Extrem. Die meisten kombinieren Vorsicht und Offenheit je nach Terrain.

Ersetzt dieses Ergebnis eine echte Finanzberatung?

Nein. Es ist ein Persönlichkeitsmerkmal im Umgang mit Unsicherheit, keine Anlageempfehlung und kein echtes Finanzprofil.